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Apothekensterben: die Versorgungskarte

Ende 2025 zählte Deutschland nur noch 16.601 öffentliche Apotheken, den niedrigsten Stand seit den 1970er Jahren. Zuletzt gab es so wenige im Jahr 1977. Allein 2025 verschwanden rund 440 Betriebsstätten, und der Rückgang geht weiter: Mitte 2026 waren es nur noch 16.488.

Gemessen an der Bevölkerung ist die Versorgung damit so dünn wie nie: 19,9 Apotheken je 100.000 Einwohner, gegenüber 24,6 im Jahr 2015. Der Schnitt der Europäischen Union liegt bei 31. Doch der Bundeswert verdeckt ein Gefälle, das der Intuition zuwiderläuft, und eine wichtige Unterscheidung: Dichte ist nicht dasselbe wie Nähe.

Was die Karte zeigt

Die Karte bildet die jüngste länderscharfe Aufschlüsselung ab, die der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände vorliegt, Stand Ende 2024. Damals gab es bundesweit noch 17.041 Apotheken, eine Dichte von 20,4 je 100.000 Einwohner. Seither ist der Wert weiter gefallen, die Rangordnung der Länder untereinander aber dürfte sich kaum verschoben haben.

Auffällig ist, wo die Dichte am höchsten ist. Nicht die Großstädte führen, sondern Sachsen-Anhalt mit 26,0 Apotheken je 100.000 Einwohner, gefolgt vom Saarland (25,2), Thüringen (23,3) und Mecklenburg-Vorpommern (22,9). Am unteren Ende stehen die Stadtstaaten Bremen (17,4) und Berlin (18,6) sowie der dicht besiedelte Südwesten. Die ostdeutschen Flächenländer haben, pro Kopf gerechnet, die beste Versorgung der Republik.

Warum hohe Dichte schlechte Versorgung bedeuten kann

Das Paradox löst sich auf, wenn man bedenkt, was eine Pro-Kopf-Dichte misst und was nicht. In den dünn besiedelten ostdeutschen Ländern leben wenige Menschen auf großer Fläche, und die Bevölkerung schrumpft. Eine gleichbleibende oder nur langsam sinkende Zahl von Apotheken ergibt dann rechnerisch eine hohe Dichte je 100.000 Einwohner.

Doch jede dieser Apotheken deckt ein weites Gebiet ab. Was die Statistik als gute Versorgung ausweist, bedeutet im Alltag lange Wege. In den Stadtstaaten ist es umgekehrt: Die Dichte je Kopf ist niedrig, weil sich viele Menschen auf engem Raum drängen, aber die nächste Apotheke liegt meist um die Ecke. Dichte je Einwohner und tatsächliche Erreichbarkeit erzählen hier gegensätzliche Geschichten.

Die Zahlen zur Erreichbarkeit sind deutlich. Von den 5.774 Gemeinden mit weniger als 2.000 Einwohnern haben 5.508 keine eigene Apotheke mehr. Rund 4,1 Millionen Menschen, etwa jeder zwanzigste Einwohner, leben in einer kleinen Gemeinde ohne Apotheke vor Ort. Schließt dort die letzte, kann die nächste weit entfernt sein. Allein in Thüringen ist nach Recherchen des MDR in fünfzehn Jahren neunzehnmal die letzte Apotheke eines Ortes geschlossen worden.

Immer dünner, und weit unter Europa

Im langen Trend ist die Richtung eindeutig. Seit 2013, als es noch 20.662 Apotheken gab, hat jede fünfte geschlossen. Die Dichte fiel von 24,6 auf 19,9 je 100.000 Einwohner, ein Rückgang um ein Fünftel in zehn Jahren. Damit liegt Deutschland im unteren Drittel der Europäischen Union; 19 der 27 Mitgliedstaaten sind dichter mit Apotheken versorgt.

Was die Apotheken in die Enge treibt

Die Gründe für das Sterben sind wirtschaftlicher Natur. Das gesetzlich festgelegte Fixhonorar je verschreibungspflichtiger Packung ist seit Jahren praktisch unverändert, während Mieten, Energie und Personalkosten gestiegen sind. Vielen kleineren Betrieben fehlt am Ende die Marge, um Investitionen und Notdienste zu tragen.

Hinzu kommt ein Nachwuchsproblem. Pharmazeutisches Personal ist knapp, und wenn ältere Inhaberinnen und Inhaber in den Ruhestand gehen, findet sich für ihre Apotheke oft kein Nachfolger. Auf dem Land trifft beides zusammen, und so schließt die letzte Apotheke im Ort nicht, weil sie niemand braucht, sondern weil niemand sie mehr betreiben kann oder will.

Für die Betroffenen ist das mehr als eine statistische Größe. Gerade ältere oder nicht mobile Menschen sind auf eine Apotheke in der Nähe angewiesen, für die schnelle Beratung, das Rezept am Wochenende, das Medikament bei Hitze oder Glätte. Botendienste federn den Verlust nur zum Teil ab. Die Versorgungskarte zeigt deshalb nicht nur, wo es viele Apotheken gibt, sondern auch, wo der Weg zur nächsten zur eigentlichen Hürde wird.

Apothekendichte 2024: alle sechzehn Länder

BundeslandApothekenje 100.000 Einw.
🇩🇪 Sachsen-Anhalt55626,0
🇩🇪 Saarland25525,2
🇩🇪 Thüringen48923,3
🇩🇪 Mecklenburg-Vorpommern36022,9
🇩🇪 Sachsen88021,8
🇩🇪 Niedersachsen1.67120,9
🇩🇪 Hessen1.30520,8
🇩🇪 Brandenburg52920,7
🇩🇪 Deutschland17.04120,4
🇩🇪 Bayern2.69720,4
🇩🇪 Nordrhein-Westfalen3.59419,9
🇩🇪 Rheinland-Pfalz81919,8
🇩🇪 Hamburg36019,3
🇩🇪 Baden-Württemberg2.15219,1
🇩🇪 Schleswig-Holstein56419,1
🇩🇪 Berlin68718,6
🇩🇪 Bremen12317,4

Hinweis: öffentliche Apotheken je Bundesland, Stand 31.12.2024 (ABDA), bezogen auf die Bevölkerung zum selben Stichtag (Destatis). Die Dichte je 100.000 Einwohner ist eigene Berechnung und stimmt mit der gerundeten Dichtespalte der ABDA überein. Der bundesweite Bestand ist seit diesem Stichtag von 17.041 auf 16.601 (Ende 2025) gesunken; eine länderscharfe Fortschreibung für 2025 liegt noch nicht vor.

Quellen anzeigen
  • ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, „Die Apotheke – Zahlen, Daten, Fakten" (Jahrbuch 2025): öffentliche Apotheken je Bundesland (Stand 31.12.2024), Dichte je 100.000 Einwohner, EU-27-Vergleich (Schnitt 31).
  • ABDA, Pressemitteilungen zum Apothekenbestand: 16.601 Apotheken Ende 2025 (niedrigster Stand seit 1977), 16.488 zum 30.6.2026; Rückgang seit 2013 um knapp ein Fünftel.
  • Statistisches Bundesamt (Destatis), Bevölkerungsfortschreibung auf Basis Zensus 2022, Bevölkerung je Bundesland zum 31.12.2024 (Nenner der Dichteberechnung).
  • Wirtschaftsdienst 3/2026, „Zugang zu Vor-Ort-Apotheken: eine Bestandsaufnahme der räumlichen Abdeckung": 5.508 von 5.774 Gemeinden unter 2.000 Einwohnern ohne Apotheke; rund 4,1 Millionen Betroffene.
  • MDR Investigativ: in Thüringen schloss in fünfzehn Jahren neunzehnmal die letzte Apotheke eines Ortes.

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