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Wo Deutschland einbürgert — die Einbürgerungsquote nach Bundesland
Im Jahr 2025 haben nach den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes 332.500 Ausländerinnen und Ausländer die deutsche Staatsangehörigkeit erworben — vierzehn Prozent oder 40.500 Personen mehr als im Vorjahr und der höchste Wert, den die Einbürgerungsstatistik je verzeichnet hat. Es ist das fünfte Anstiegsjahr in Folge; binnen vier Jahren hat sich die Zahl der Einbürgerungen mehr als verdoppelt. Der Bundeswert ist eine eindrückliche Zahl — aber er verdeckt, wie ungleich Deutschland einbürgert. Wer die Quote ins Verhältnis zur ausländischen Bevölkerung setzt, sieht ein Land, das in Bremen und Hamburg großzügig einbürgert und im Osten zögert.
Was die Einbürgerungsquote misst
Die nackte Zahl der Einbürgerungen sagt wenig über die Einbürgerungsneigung eines Landes aus, weil sie vor allem die Größe der ausländischen Bevölkerung widerspiegelt: Nordrhein-Westfalen bürgerte 2024 mit rund 68.700 Personen die meisten Menschen ein — schlicht, weil dort die meisten Ausländer leben. Aussage kräftiger ist die Einbürgerungsquote: die Zahl der Einbürgerungen je 100 ausländische Einwohner. Sie setzt den jährlichen „Zufluss" an neuen Staatsbürgern ins Verhältnis zum „Bestand" der noch nicht eingebürgerten Ausländer und macht so sichtbar, wie schnell ein Land seine dauerhaft Ansässigen zu Staatsbürgern macht. Für 2024 — das jüngste Jahr, für das eine vollständige Länderaufschlüsselung vorliegt — lag dieser Wert bundesweit bei 2,0; rund jeder fünfzigste Ausländer wurde in diesem Jahr Deutscher.
Stadtstaaten vorn, der Osten hinten
Die Spitze der Karte bilden die Stadtstaaten und der Norden: Bremen (2,8), Hamburg (2,5) und Schleswig-Holstein (2,4) bürgern, gemessen an ihrer ausländischen Bevölkerung, am häufigsten ein. Das ist kein Zufall: Großstädte mit langer Einwanderungsgeschichte haben einen hohen Anteil an Ausländern, die die Voraussetzungen längst erfüllen — lange hier, erwerbstätig, integriert —, und sie verfügen über die personell ausgestatteten Einbürgerungsbehörden, um die Anträge auch abzuarbeiten. Am unteren Ende steht durchweg der Osten: Sachsen (1,2), Thüringen (1,4), Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern (je 1,5). Dort lebt nicht nur ein kleinerer Anteil Ausländer, sondern auch eine jüngere Zuwanderung, die die für die Einbürgerung nötige Aufenthaltsdauer vielfach noch nicht erreicht hat. Die eigentliche Trennlinie der Karte verläuft also nicht zwischen Nord und Süd, sondern zwischen den westlichen Ballungsräumen und dem dünn zugewanderten Osten.
Das Klischee vom einbürgerungsfaulen Bayern bröckelt
Eine Überraschung liefert ausgerechnet Bayern. Der Freistaat galt lange als das Land, das sich mit Einbürgerungen schwertut, und in den Jahren vor der Reform lag seine Quote tatsächlich im hinteren Feld. 2024 aber hat Bayern mit 54.520 Einbürgerungen absolut die zweitmeisten des Landes verzeichnet und liegt mit einer Quote von 2,3 nun im Mittelfeld — noch vor Berlin, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Der Süden bürgert nicht mehr zögerlicher ein als der Bundesschnitt. Das alte Bild vom restriktiven Bayern, das sich gegen die Einbürgerung sperrt, lässt sich an den Zahlen von 2024 nicht mehr aufrechterhalten; verschoben hat sich die Zurück haltung an den östlichen Rand der Republik.
Warum die Zahlen explodieren
Der sprunghafte Anstieg der vergangenen beiden Jahre hat einen klaren Auslöser: das Staatsangehörigkeitsmodernisierungsgesetz (StARModG), das Ende Juni 2024 in Kraft trat. Es erlaubt die generelle Mehrstaatigkeit — Eingebürgerte dürfen ihre bisherige Staatsangehörigkeit behalten — und verkürzte die nötige Aufenthaltsdauer von acht auf fünf, bei besonderer Integration auf drei Jahre. Vor allem die Abschaffung des Zwangs, den alten Pass abzugeben, hat eine aufgestaute Nachfrage gelöst: Bei Menschen mit türkischer Staatsangehörigkeit lag die durchschnittliche Aufenthaltsdauer zum Zeitpunkt der Einbürgerung 2025 bei 24,1 Jahren, bei russischen bei 14,1 — viele hatten die Einbürgerung jahrzehntelang aufgeschoben, weil sie den bisherigen Pass nicht aufgeben wollten. Zugleich erreichte die große Fluchtzuwanderung der Jahre 2015 und 2016 die nötige Aufenthaltsschwelle: Die häufigste bisherige Staatsangehörigkeit der Eingebürgerten ist inzwischen die syrische, mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von nur 7,9 Jahren.
Die Reform war politisch umkämpft: Die damalige Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP setzte sie gegen den Widerstand von CDU und CSU durch, die in der generellen Hinnahme des Doppelpasses eine Entwertung der Staatsbürgerschaft sahen. Die Zahlen von 2024 und 2025 zeigen nun den unmittelbaren Effekt — und sie dürften die Debatte über die richtige Einbürgerungspolitik eher befeuern als beruhigen. Bemerkenswert bleibt, dass der Anstieg alle Länder erfasst hat: Den stärksten Zuwachs gegenüber dem Vorjahr verzeichnete 2024 nicht etwa ein traditionelles Einwanderungsland, sondern Berlin mit einem Plus von 141 Prozent, gefolgt von Sachsen und Baden-Württemberg.
Einbürgerungen und Quote 2024 — alle sechzehn Länder
| Bundesland | Einbürgerungen 2024 | Quote (je 100 Ausländer) |
|---|---|---|
| 🇩🇪 Bremen | 4.640 | 2,8 |
| 🇩🇪 Hamburg | 9.600 | 2,5 |
| 🇩🇪 Schleswig-Holstein | 8.590 | 2,4 |
| 🇩🇪 Bayern | 54.520 | 2,3 |
| 🇩🇪 Berlin | 21.810 | 2,2 |
| 🇩🇪 Niedersachsen | 23.380 | 2,2 |
| 🇩🇪 Nordrhein-Westfalen | 68.705 | 2,1 |
| 🇩🇪 Rheinland-Pfalz | 12.265 | 2,0 |
| 🇩🇪 Hessen | 24.915 | 1,8 |
| 🇩🇪 Brandenburg | 3.770 | 1,8 |
| 🇩🇪 Baden-Württemberg | 37.805 | 1,7 |
| 🇩🇪 Saarland | 2.785 | 1,7 |
| 🇩🇪 Sachsen-Anhalt | 2.815 | 1,5 |
| 🇩🇪 Mecklenburg-Vorpommern | 1.840 | 1,5 |
| 🇩🇪 Thüringen | 2.640 | 1,4 |
| 🇩🇪 Sachsen | 4.410 | 1,2 |
Hinweis: Hinzu kommen 7.530 Einbürgerungen von im Ausland lebenden Personen, die keinem Bundesland zugeordnet sind; mit ihnen ergibt sich der Bundeswert von 292.020 Einbürgerungen für 2024. Die Quote ist die Zahl der Einbürgerungen 2024 je 100 ausländische Einwohner (Ausländerzentralregister, Jahresende); die ausländische Bevölkerung lag Ende 2024 mit rund 14,06 Millionen praktisch so hoch wie Ende 2025 (14,07 Millionen).
Quellen anzeigen
- Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung Nr. 186 vom Juni 2026: „332 500 Einbürgerungen im Jahr 2025" — Bundeswert, Vorjahresvergleich (+14 %), Aufenthaltsdauern nach Staatsangehörigkeit, Hinweis auf das StARModG.
- Destatis, Einbürgerungsstatistik (Tabelle 12511, „Einbürgerungen 2024 nach Bundesländern") — Einbürgerungen je Bundesland 2024. Die 16 Länderwerte plus 7.530 Einbürgerungen aus dem Ausland summieren sich exakt auf den Bundeswert 292.020.
- Destatis, Ausländerzentralregister: ausländische Bevölkerung nach Bundesländern (Jahresende) — Nenner der Einbürgerungsquote. Die Quote (Einbürgerungen je 100 Ausländer) ist eigene Berechnung.
- Destatis, Einbürgerungsstatistik (Zeitreihe der Jahreswerte 2014–2025) — Trendgrafik; Wert für 2025 vorläufig.
- Zur Rechtslage: Gesetz zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts (StARModG), in Kraft seit 27. Juni 2024 — generelle Hinnahme von Mehrstaatigkeit, verkürzte Aufenthaltsfristen.
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