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Die Staffel-Republik — wann die Sommerferien 2026 beginnen
Während in Wiesbaden, Mainz und Saarbrücken die Schulkinder schon am 29. Juni 2026 in die Sommerferien gehen, sitzen die bayerischen Schülerinnen und Schüler noch bis zum 3. August im Klassenzimmer — fünf Wochen länger. Sechsunddreißig Tage liegen zwischen dem frühesten und dem spätesten Ferienbeginn der Republik, und diese Spanne ist kein Zufall, sondern Programm: Deutschland staffelt seine Sommerferien bewusst, damit nicht achtzig Millionen Menschen am selben Wochenende losfahren. Die Karte der Anfangsdaten zeigt das Ergebnis dieser Planung — ein Land, das seinen Sommer in Etappen freigibt.
Sechsunddreißig Tage zwischen erstem und letztem Schultag
Den Auftakt machen 2026 drei Länder gemeinsam: Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland schicken ihre Schulen schon am Montag, dem 29. Juni, in die Ferien. Wenige Tage später folgen Bremen und Niedersachsen (2. Juli), dann ein breiter Block aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Schleswig-Holstein (4. Juli). Die Hauptstadtregion — Berlin, Brandenburg und Hamburg — startet am 9. Juli, Mecklenburg-Vorpommern am 13. Juli. Am Ende der Kette stehen die beiden großen Südländer: Nordrhein-Westfalen (20. Juli) ist hier streng genommen kein Südland, schließt sich aber dem späten Block an, gefolgt von Baden-Württemberg (30. Juli) und schließlich Bayern, das am 3. August als Letztes beginnt und am 14. September als Letztes wieder zur Schule geht.
Warum überhaupt gestaffelt wird
Die Staffelung ist eine bundesdeutsche Eigenheit, die sich aus der Kulturhoheit der Länder ergibt: Bildung ist Sache der sechzehn Bundesländer, nicht des Bundes. Damit aus sechzehn souveränen Ferienkalendern kein Chaos wird, koordiniert die Kultusministerkonferenz (KMK) die Sommertermine langfristig untereinander — die übrigen Ferien (Herbst, Weihnachten, Ostern) legt jedes Land selbst fest, die Sommerferien dagegen werden gemeinsam ausgehandelt. Die rechtlich-organisatorische Wurzel dieser Zusammenarbeit reicht zurück bis zum Hamburger Abkommen von 1964, mit dem die Länder das Schulwesen erstmals umfassend vereinheitlichten.
Der erklärte Zweck ist nüchtern verkehrspolitisch: Entzerrung. Würden alle Länder gleichzeitig in die Ferien starten, kollabierten Autobahnen, Bahnstrecken, Flughäfen und Urlaubsregionen unter dem Ansturm eines einzigen Wochenendes. Die gestaffelten Termine verteilen den Reiseverkehr über gut sechs Wochen — ein Verfahren, das den Sommer für die Tourismuswirtschaft planbar macht und die schlimmsten Staus kappt, auch wenn der Begriff „Reisewelle" jedes Jahr aufs Neue durch die Verkehrsnachrichten geistert. Für die meisten Länder rotieren die Zeitfenster dabei in mehrjährigen Blöcken: Wer in einem Jahr früh dran ist, rückt im nächsten nach hinten, damit kein Land dauerhaft den ungeliebten Juni-Start oder den späten August-Beginn trägt.
Bayern, das ewige Schlusslicht
Von dieser Rotation ausgenommen sind ausgerechnet die beiden Länder am unteren Bildrand der Karte: Bayern und Baden-Württemberg beginnen Jahr für Jahr am spätesten und drehen sich nicht mit. Die gängige Begründung ist historisch-agrarisch: In der Nachkriegszeit wurde den beiden Ländern der späte Termin mit Verweis auf ihre stark landwirtschaftliche Struktur zugestanden — Kinder wurden, so das Argument, zur Erntezeit auf den Höfen gebraucht, und ein zu früher Ferienbeginn hätte die Sommerarbeit erschwert. Hinzu kommt in Bayern und im Südwesten die Tradition der zweiwöchigen Pfingstferien, die einen späten Sommerbeginn nahelegt.
Ob dieses Argument heute, in einer hochgradig industrialisierten und dienstleistungsgeprägten Volkswirtschaft, noch trägt, ist umstritten. Andere Länder fordern seit Jahren, Bayern und Baden-Württemberg in die Rotation einzubeziehen; München verteidigt seinen späten Platz mit Beharrlichkeit und dem Hinweis auf gewachsene Gewohnheiten. So ist aus der einstigen Ernteregelung eine politische Besitzstandswahrung geworden — ein gutes Beispiel dafür, wie eine sachliche Begründung das Verfahren überdauert, das sie einst rechtfertigte. Wer 2026 in Bayern zur Schule geht, erntet keine Kartoffeln mehr, beginnt seine Ferien aber dennoch erst, wenn die hessischen Mitschüler schon fünf Wochen frei haben.
Sommerferien 2026 — alle sechzehn Länder
| Bundesland | Beginn | Ende |
|---|---|---|
| 🇩🇪 Hessen | 29. Juni | 7. August |
| 🇩🇪 Rheinland-Pfalz | 29. Juni | 7. August |
| 🇩🇪 Saarland | 29. Juni | 7. August |
| 🇩🇪 Bremen | 2. Juli | 12. August |
| 🇩🇪 Niedersachsen | 2. Juli | 12. August |
| 🇩🇪 Sachsen | 4. Juli | 14. August |
| 🇩🇪 Sachsen-Anhalt | 4. Juli | 14. August |
| 🇩🇪 Thüringen | 4. Juli | 14. August |
| 🇩🇪 Schleswig-Holstein | 4. Juli | 15. August |
| 🇩🇪 Berlin | 9. Juli | 22. August |
| 🇩🇪 Brandenburg | 9. Juli | 22. August |
| 🇩🇪 Hamburg | 9. Juli | 19. August |
| 🇩🇪 Mecklenburg-Vorpommern | 13. Juli | 22. August |
| 🇩🇪 Nordrhein-Westfalen | 20. Juli | 1. September |
| 🇩🇪 Baden-Württemberg | 30. Juli | 12. September |
| 🇩🇪 Bayern | 3. August | 14. September |
Hinweis: In Schleswig-Holstein gelten auf den Inseln Sylt, Föhr, Amrum und Helgoland sowie auf den Halligen abweichende Sonderregelungen für die Sommerferien. Alle Termine nach dem KMK-Ferienkalender für das Schuljahr 2025/2026.
Was die Karte sonst noch zeigt
Anders als bei der Fronleichnams-Karte, die eine alte konfessionelle Linie nachzeichnet, folgt die Ferienkarte keinem historisch gewachsenen Muster, sondern einer bewussten administrativen Setzung. Trotzdem ist eine grobe Geografie erkennbar: Der frühe Beginn konzentriert sich im Westen und in der Mitte, der späte im Süden — eine Folge der Bayern-und-Baden-Württemberg-Ausnahme, die den gesamten Süden ans Ende der Kette schiebt. Der Norden und Osten verteilen sich über die mittleren Juli-Termine, weil sie an der Rotation teilnehmen und ihr Fenster Jahr für Jahr wechselt. Die Karte 2026 ist also eine Momentaufnahme eines beweglichen Systems — im nächsten Jahr sähe sie, mit Ausnahme der beiden Südländer, wieder anders aus.
Quellen
- Kultusministerkonferenz (KMK): Ferienkalender für das Schuljahr 2025/2026, „Ferien in den Ländern in der Bundesrepublik Deutschland" (kmk.org). Alle sechzehn Anfangs- und Enddaten gegen das amtliche PDF verifiziert.
- Zur Koordinierung der Ferientermine durch die KMK und zur langfristigen Vereinbarung der Sommerferien (im Unterschied zu den von den Ländern selbst gesetzten übrigen Ferien): KMK, Ferienregelung.
- Zur historischen Grundlage der Länderzusammenarbeit im Schulwesen: Hamburger Abkommen (1964).
- Zur Begründung der Staffelung (Verkehrsentzerrung) und zur agrarisch-historischen Sonderstellung Bayerns und Baden-Württembergs: KMK sowie öffentliche Berichterstattung; die agrarische Begründung gilt heute als politisch verfestigte Gewohnheit, nicht als rechtliche Notwendigkeit.
Weitere deutsche Kalenderkarten: Die unsichtbare Konfessionsgrenze (Fronleichnam), Wann ist Vatertag weltweit? und Wann ist Muttertag weltweit?