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Wo der Wolf zuhause ist: 276 Territorien, und erstmals stagniert die Ausbreitung

Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) hat Mitte November 2025 die Zahlen des Monitoringjahres 2024/25 zusammengeführt. Bundesweit wurden 276 Wolfsterritorien bestätigt: 219 Rudel, 43 Paare und 14 territoriale Einzeltiere. In diesen Revieren lebten mindestens 1.636 Wölfe.

Die eigentliche Nachricht steckt aber im Vergleich zum Vorjahr. Zum ersten Mal seit der Rückkehr des Wolfs im Jahr 2000 wächst die Zahl der Territorien nicht weiter, sondern verharrt praktisch auf dem Vorjahreswert. Die Karte zeigt, wo der Wolf nach einem Vierteljahrhundert tatsächlich lebt, und das ist kein gleichmäßig besiedeltes Land, sondern ein ausgeprägtes Phänomen des Ostens und des nördlichen Tieflands.

Fünf Länder, 87 Prozent der Wölfe

Die Konzentration ist bemerkenswert deutlich. Auf die fünf Länder Niedersachsen (63 Territorien), Brandenburg (60), Sachsen (46), Sachsen-Anhalt (38) und Mecklenburg-Vorpommern (34) entfallen zusammen 241 der 276 Territorien, also rund 87 Prozent. Der gesamte Westen und Süden teilt sich den kleinen Rest: Bayern kommt auf 12, Nordrhein-Westfalen auf 6, Thüringen auf 5, Baden-Württemberg auf 4, Hessen und Rheinland-Pfalz auf je 3.

Betrachtet man nur die Rudel, also die reproduzierenden Familiengruppen, liegen Brandenburg und Niedersachsen mit je 54 Rudeln exakt gleichauf an der Spitze. Es ist ein sprechendes Duell: hier das Kernland der Wiederbesiedlung im Osten, dort das große Flächenland im Nordwesten mit seiner ausgedehnten Weidewirtschaft, in das der Wolf über die norddeutsche Tiefebene vorgedrungen ist.

Die Rückkehr über den Truppenübungsplatz

Dass ausgerechnet der Osten führt, ist kein Zufall, sondern Geschichte. Am 27. Februar 1904 wurde in der Oberlausitz der sogenannte „Tiger von Sabrodt" geschossen, der letzte freilebende Wolf im damaligen Deutschland. Danach galt die Art hierzulande für fast ein Jahrhundert als ausgerottet, ein Opfer der systematischen Bejagung und der Kopfprämien vergangener Jahrhunderte.

Die Wiederkehr begann in genau derselben Landschaft. Um die Jahrtausendwende wanderten Wölfe aus Westpolen über die Neiße ein und ließen sich auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz bei Weißwasser nieder; im Jahr 2000 zog dort das erste Rudel wieder Welpen auf deutschem Boden groß. Dass die Tiere den Anfang auf einem Militärgelände machten, hat einen nüchternen Grund: Solche Flächen sind groß, für die Öffentlichkeit gesperrt und kaum gestört, ideal, um ungestört zu jagen und Junge aufzuziehen.

Damit erzählt die Wolfskarte dieselbe Landschaft wie unsere Karte der Waldbrände. Es sind die sandigen, dünn besiedelten und oft munitionsbelasteten Truppenübungsplätze des Ostens, auf denen sowohl das Feuer als auch der Wolf ihren deutschen Wiederanfang fanden. Die menschenleere Weite, die den Brandschutz so erschwert, ist zugleich das beste Wolfsrevier, das Deutschland zu bieten hat.

Warum die Ausbreitung stockt

Die Stagnation ist genau besehen keine Schrumpfung, sondern eine Verdichtung. Nach dem Wissensstand vom Herbst 2024 lag das Vorjahr bei 274 Territorien mit 209 Rudeln; die Zahl der Rudel ist also sogar leicht gestiegen, während die Gesamtzahl der Territorien praktisch gleich blieb. Das Vorkommensgebiet vergrößerte sich nur um knapp fünf Prozent, vor allem, indem sich Lücken in den bereits besiedelten Regionen schlossen.

Die Kernländer sind, anders gesagt, gut gefüllt, und der Sprung in den Westen und Süden gelingt nur langsam. Dort sind geeignete, ungestörte Räume seltener und liegen weiter auseinander, sodass die einzelnen Vorkommen isoliert bleiben. Hinzu kommt eine hohe Sterblichkeit: Im Monitoringjahr wurden 163 tote Wölfe gefunden, die meisten davon im Straßenverkehr (124), sechzehn wurden illegal getötet.

Vom Naturschutzerfolg zum Politikum

In einem Vierteljahrhundert von null auf 276 Territorien: Aus Sicht des Artenschutzes ist die Rückkehr des Wolfs eine der großen europäischen Erfolgsgeschichten. Zugleich ist sie längst ein Politikum, denn wo Wölfe leben, reißen sie auch Weidetiere, und der Streit um Herdenschutz, Ausgleichszahlungen und Abschüsse folgt der Karte fast deckungsgleich: Er ist dort am heftigsten, wo die Rudel dicht stehen, in Niedersachsen und im Osten.

Der rechtliche Rahmen hat sich zuletzt spürbar verschoben. Die Berner Konvention stufte den Wolf zum 7. März 2025 von „streng geschützt" auf „geschützt" herab, die Europäische Union zog mit der Richtlinie (EU) 2025/1237 nach und verschob die Art im FFH-Recht von Anhang IV in Anhang V. In Deutschland liegt seit Anfang 2026 ein Regierungsentwurf vor, der den Wolf ins Bundesjagdgesetz aufnehmen und damit ein reguliertes Bestandsmanagement ermöglichen soll.

So gelesen ist die Karte mehr als eine Bestandsaufnahme. Ein Jahrhundert nachdem in der Lausitz der letzte Wolf fiel, ist die Art in denselben sandigen Osten zurückgekehrt und hat sich von dort nach Westen geschoben, bis die Ausbreitung nun erstmals ins Stocken gerät. Ob aus dem geschützten Rückkehrer ein bejagtes Wildtier wird, entscheidet sich gerade, und die Antwort wird vor allem dort gegeben, wo die Karte am dunkelsten ist.

Quellen anzeigen
  • DBBW (Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf), Statusbericht „Wölfe in Deutschland 2024/25" sowie Pressemitteilung „Ergebnisse des Wolfsmonitorings 2024/25 veröffentlicht — Bestandsentwicklung stagniert" (11.11.2025). Monitoringzeitraum 1.5.2024 bis 30.4.2025: bundesweit 276 Territorien (219 Rudel, 43 Paare, 14 territoriale Einzeltiere), mindestens 1.636 Individuen, 163 Totfunde (124 Verkehr, 16 illegale Tötungen). Aufschlüsselung der Rudel, Paare und Einzeltiere je Bundesland aus dem Statusbericht; die Territorien-Gesamtzahlen je Land (NI 63, BB 60, SN 46, ST 38, MV 34 usw.) sind deren Summe und ergeben zusammen 276. Vorjahresvergleich (274 Territorien, 209 Rudel, Wissensstand Herbst 2024) ebenfalls DBBW.
  • Zur Ausrottung: „Tiger von Sabrodt", letzter freilebender Wolf im damaligen Deutschland, geschossen am 27.2.1904 in der Oberlausitz. Zur Rückkehr um 2000 auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz bei Weißwasser (Einwanderung aus Westpolen): DBBW, NABU und regionale Berichterstattung.
  • Schutzstatus: Ständiger Ausschuss der Berner Konvention, Herabstufung des Wolfs von Anhang II („streng geschützt") auf Anhang III („geschützt"), Beschluss 6.12.2024, in Kraft 7.3.2025. EU: Richtlinie (EU) 2025/1237 zur Änderung der FFH-Richtlinie 92/43/EWG (Verschiebung des Wolfs von Anhang IV nach Anhang V). Deutschland: Regierungsentwurf zur Änderung des Bundesjagdgesetzes (Bundestags-Drucksache 21/3546, Januar 2026).
  • Geometrie der Bundesländer: GADM 4.1, Verwaltungsgrenzen Deutschland (Level 1).

Weitere deutsche Karten: Die Waldbrand-Republik, Wo Deutschland einbürgert und Die neue Zeckenkarte.