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Badegewässer 2025: Wo das Wasser ausgezeichnet ist, und wo die Blaualge lauert
Es ist die Jahreszeit der beruhigenden Statistik. Pünktlich zur Badesaison meldet das Umweltbundesamt, dass 2025 satte 90,8 Prozent aller 2.291 überwachten deutschen Badestellen die Bestnote „ausgezeichnet“ erreichten; rund 98 Prozent erfüllten wenigstens die Mindestanforderungen der EU. Wer an einem deutschen See oder an der Küste ins Wasser geht, badet also mit hoher Wahrscheinlichkeit in geprüft sauberem Wasser.
Der Bundesschnitt verdeckt allerdings zweierlei. Erstens fällt die Qualität regional unterschiedlich aus, wie die Karte unten zeigt. Zweitens, und das ist die wichtigere Einschränkung, misst die Bestnote gar nicht das Risiko, das im Hochsommer tatsächlich Badeverbote auslöst: die Blaualge.
Was die Bestnote misst, und was nicht
Die vier Klassen „ausgezeichnet“, „gut“, „ausreichend“ und „mangelhaft“ stammen aus der EG-Badegewässerrichtlinie 2006/7/EG. Sie beruhen auf genau zwei Messwerten: den Darmbakterien Escherichia coli und intestinale Enterokokken. Bewertet wird über die Proben der vorangegangenen vier Badesaisons, mindestens sechzehn Stück je Stelle. Was die Note also abbildet, ist die fäkale Verschmutzung eines Gewässers, das Risiko also, sich beim Schlucken von Wasser einen Magen-Darm-Infekt einzufangen.
Diese Bakterien stammen aus Kläranlagen, aus der Landwirtschaft und von Wasservögeln. Nach Starkregen können überlaufende Mischwasserkanäle die Werte kurzfristig in die Höhe treiben. Eine gute Note bedeutet, dass ein Gewässer über Jahre hinweg mikrobiologisch sauber war. Sie ist ein Zeugnis für die jahrzehntelange Investition in Abwasserreinigung, und in dieser Hinsicht ist der deutsche Wert eine echte Erfolgsgeschichte.
Nicht in dieser Note steckt jedoch die Blaualge, korrekt Cyanobakterie. Massenhafte Blaualgenblüten entstehen bei Hitze in nährstoff-, vor allem phosphorreichen, stehenden Gewässern; sie können Gifte bilden, die zu Übelkeit, Hautreizungen und für Kinder wie Hunde ernsthaft gefährlich werden. Die Richtlinie behandelt dieses Risiko bewusst getrennt: nicht über die Vierklassen-Note, sondern über kurzfristige Warnungen und, wo nötig, zeitweilige Badeverbote.
Daraus folgt ein Satz, den man sich für den Sommer merken sollte: Ein See kann „ausgezeichnet“ sein und trotzdem in einer heißen Woche wegen Blaualgen gesperrt werden. Die Jahresnote und die tagesaktuelle Badewarnung beantworten zwei verschiedene Fragen. Für die Karte gilt deshalb dieselbe Vorsicht wie für die 90,8 Prozent: Sie zeigt die langfristige Hygiene, nicht das Wetterrisiko dieses Wochenendes.
Das regionale Bild
Für die Karte haben wir nicht auf eine fertige Ländertabelle gewartet, die es in den Berichten so nicht gibt, sondern den EEA-Rohdatensatz genommen: 2.292 deutsche Badestellen, jede mit Koordinate und Qualitätsklasse, und jede per Punkt-in-Polygon ihrem Bundesland zugeordnet. Der so errechnete Bundesdurchschnitt liegt bei rund 90 Prozent und deckt sich damit gut mit dem offiziellen UBA-Wert von 90,8 Prozent.
Bevor man die Rangliste liest, ein Wort der Ehrlichkeit über die drei Stadtstaaten. Bremen steht mit 54,5 Prozent scheinbar alarmierend hinten, hat aber nur elf gemeldete Badestellen; ein einziger belasteter See, der Achterdieksee, drückt den Anteil massiv. Umgekehrt stehen Berlin und das Saarland bei 100 Prozent, Berlin immerhin mit 39 Stellen, das Saarland mit gerade einmal vier. Bei so kleinen Fallzahlen ist der Prozentwert volatil und wenig aussagekräftig. Die belastbare Geschichte erzählen die Flächenländer.
Unter ihnen führt Hessen mit 96,7 Prozent, gefolgt von Thüringen (95,0) und Bayern (93,6). Am unteren Rand liegen, dicht beieinander, Sachsen-Anhalt (87,3), Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern (je 87,5) sowie Baden-Württemberg (88,8). Bemerkenswert ist dabei weniger die Rangfolge als ihre Enge: Selbst das schwächste Flächenland hat noch fast neun von zehn Badestellen in der Bestklasse. Ein echtes Gefälle, wie es die mappr.de-Karten zur Einbürgerung oder zum Balkonstrom zeigen, gibt es beim Badewasser nicht.
Ein systematischer Unterschied verläuft eher zwischen Küste und Binnenland als zwischen Nord und Süd. Bundesweit erreichen die Seen mit rund 91 Prozent einen höheren Anteil an Bestnoten als die Küstengewässer an Nord- und Ostsee mit etwa 88 Prozent. Damit steht Deutschland europäisch günstig da: EU-weit galten 2025 rund 78 Prozent der Binnengewässer und 88 Prozent der Küstengewässer als ausgezeichnet, die deutschen Seen liegen also klar über dem kontinentalen Schnitt.
Die 14 Problemgewässer
Am anderen Ende der Skala stehen jene Stellen, die auch nach vier Jahren Messung durchfallen. 2025 wurden bundesweit 14 Badestellen als „mangelhaft“ eingestuft, rund 0,1 Prozent aller überwachten Gewässer. Eine solche Einstufung bedeutet anhaltende fäkale Belastung und zieht in aller Regel ein Bade- oder Abratungssignal nach sich. Die Ursachen reichen von Einträgen aus der Landwirtschaft über Mischwasserüberläufe nach Starkregen bis zu großen Wasservogelbeständen.
| Badestelle | Bundesland | Typ |
|---|---|---|
| Sunthauser See | Baden-Württemberg | See |
| Holzmühleweiher (Vogt) | Baden-Württemberg | See |
| Hörschwag, Lauchert | Baden-Württemberg | Fluss |
| Garchinger See (Garching b. München) | Bayern | See |
| See Freigericht Ost (Kahl a. Main) | Bayern | See |
| Miersdorfer See (Zeuthen) | Brandenburg | See |
| Achterdieksee | Bremen | See |
| Hinbergsee (Kargow) | Mecklenburg-Vorpommern | See |
| Ostsee, Barth, Glöwitzer Bucht | Mecklenburg-Vorpommern | Küste |
| Stettiner Haff, Bellin | Mecklenburg-Vorpommern | Küste |
| Neustädter See | Sachsen-Anhalt | See |
| Wolmirslebener Schachtsee | Sachsen-Anhalt | See |
| Nordsee, Husumer Bucht / Schobüll | Schleswig-Holstein | Küste |
| Nordsee, Lundenbergsand | Schleswig-Holstein | Küste |
14 Badestellen mit der Bewertung „mangelhaft“ in der Saison 2025, aus dem EEA-Datensatz ausgelesen. Namen und Ortsangaben in gereinigter Schreibweise nach den amtlichen Bezeichnungen; die Einstufung ist die offizielle Vierklassen-Note nach Badegewässerrichtlinie.
Ein Muster ist erkennbar. Fünf der vierzehn Stellen liegen im Nordosten, an der Ostsee und im Mecklenburgischen; zwei weitere an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste. Flache, warme Küstenbuchten mit geringem Wasseraustausch und hohem Vogelbestand sind für Bakterienspitzen anfälliger als ein tiefer, durchströmter Alpensee. Der Rest verteilt sich auf einzelne Seen im Süden und in Sachsen-Anhalt, ohne dass daraus ein Landestrend würde: Bei so wenigen Fällen ist jede Stelle ein Einzelfall mit eigener Geschichte.
Blaualgen: das eigentliche Sommerrisiko
Zurück zur Blaualge, denn sie ist im Klimawandel das wachsende Problem. Cyanobakterien lieben, was heiße Sommer liefern: warmes, stilles, nährstoffreiches Wasser. Je häufiger Hitzeperioden werden, wie sie diese mappr.de bereits für die Tropennächte und die europäische Hitzewelle dokumentiert hat, desto öfter kippt ein an sich sauberer See für Tage oder Wochen.
Für Badende gibt es eine brauchbare Faustregel. Wer bis zu den Knien im Wasser steht und die eigenen Füße nicht mehr sieht, oder wer grünliche Schlieren und einen Teppich an der Oberfläche erkennt, sollte nicht baden. Besonders gefährdet sind kleine Kinder, die viel Wasser schlucken, und Hunde, die am Ufer trinken. Die tagesaktuelle Lage führen die Gesundheitsämter der Länder in ihren Badegewässer-Atlanten, die man vor dem Sprung ins kühle Nass kurz prüfen kann.
Das ist am Ende die eigentliche Lehre aus der Rekordzahl. 90,8 Prozent „ausgezeichnet“ ist ein ehrlicher Wert und Ausweis einer über Jahrzehnte erkämpften Wasserqualität. Er beschreibt aber die Bakterienlast der vergangenen vier Jahre, nicht die Algenblüte dieses Wochenendes. Die gute Nachricht und die nötige Vorsicht schließen einander nicht aus: In Deutschland lässt es sich hervorragend baden, man sollte nur wissen, welche Frage die schöne Statistik beantwortet, und welche nicht.
Quellen anzeigen
- Umweltbundesamt (UBA), „Qualität von Badegewässern“ sowie Badegewässerbericht 2025: nationaler Anteil „ausgezeichnet“ (90,8 %), Anteil „gut“ (5,9 %), Mindestanforderungen erfüllt (rund 98 %), Zahl und Aufteilung der 2.291 überwachten Badestellen (361 Küste, 37 Flüsse, 1.893 Seen), Küsten- und Binnenwerte (rund 88 % bzw. 91 % ausgezeichnet).
- Europäische Umweltagentur (EEA), „European bathing water quality in 2025“ und der zugrunde liegende WISE-Badegewässerdatensatz (MapServer BathingWater_Dyna_WM): Klassifizierung je einzelner Badestelle mit Geokoordinate. Die Anteile je Bundesland sind eigene Aggregation dieses Datensatzes (2.292 deutsche Stellen), inklusive der Liste der 14 als „mangelhaft“ eingestuften Gewässer. EU-weite Vergleichswerte 2025 (rund 78 % Binnen-, 88 % Küstengewässer ausgezeichnet) ebenfalls aus dem EEA-Bericht.
- Europäische Kommission, Vertretung in Deutschland, „Badegewässerbericht 2025: Neun von zehn Badestellen in Deutschland sind ausgezeichnet“ (16. Juni 2026).
- EG-Badegewässerrichtlinie 2006/7/EG: Grundlage der Vierklassen-Bewertung anhand von Escherichia coli und intestinalen Enterokokken über vier Badesaisons; gesonderte Behandlung von Cyanobakterien über Information und zeitweilige Badeverbote (Artikel 6).
- Zur Blaualgen-Gefahr und den Verhaltensregeln: Umweltbundesamt und die Gesundheitsämter der Länder (Badegewässer-Atlanten der Landesämter, z. B. LGL Bayern, NLGA Niedersachsen).
- Geometrie der Bundesländer: GADM 4.1, Verwaltungsgrenzen Deutschland (Level 1).
Weitere deutsche Karten: Wo Deutschlands Nächte tropisch werden, Die Hitzewelle vom Juni 2026 und Solar vom Balkon.